Hohnsteiner Kasper

Kasper-alt-hohnsteinGenau Ihr seid richtig. Ich, der Hohnsteiner Kasper der lustige Kerl der Euch in den 60iger und 70iger Jahren im Kinderfernsehen der BRD immer wieder besucht hat, stammt aus Hohnstein in Sachsen. Meine Geschichte beginnt in den 20iger Jahren.

Auf der Burg Hohnstein waren zur damaligen Zeit immer wieder Jugendgruppen zu Gast. Die Puppenspieler fanden in der Unterhaltung eine feste Arbeit und wurden hier sesshaft. Mein Erfinder Max Jacob spielte und schrieb und schon bald reihten sich Puppenspieler, Schnitzer, Näherinnen und Lehrer zu ihm. Es wurde gespielt, geschnitzt und Puppenspiel gelehrt. Die Puppenherstellung wurde zum Wirtschaftszweig in Hohnstein. Hier begann die Geschichte vom Hohnsteiner Kasper und seiner Reise in die Welt.

Hohnsteiner Puppenspielhaus

Das Gebäude, welches sich 1936 auf der Dresdner Gartenausstellung befand, wurde nach deren Beendigung nach Hohnstein verlegt.
Von 1938 an beherbergte es die Hohnsteiner Handpuppenbühne. Max Jacob, der mit seiner Spielertruppe 1928 nach Hohnstein übersiedelte, war Schöpfer der weltbekannten Hohnsteiner Handpuppenspiele. Leider befindet sich der Baukörper in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

puppenspielhaus-hohnsteinBis in die heutigen Tage wird das Schnitzen der Puppenköpfe und das Schneidern der Puppenkleider in alter Tradition durch die Fa. Wolfgang Berger gepflegt. In einer kleinen Werkstatt werden traditionell Hohnsteiner Handspielpuppen angefertigt. Auch wenn Hohnstein heute über keine eigene Puppenbühne mehr verfügt, so findet doch alljährlich Ende Mai das Hohnsteiner Puppenspielfest statt.

Der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Tradition des Hohnsteiner Handpuppenspiels zu bewahren.

Traditionsstätte Hohnsteiner Handpuppenspiel

Am 22.12.2005 wurde die Traditionsstätte Handpuppenspiel eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Sie ist dem Wirken von Max Jacob gewidmet, der mit seinem Hohnsteiner Kasper große nationale und internationale Anerkennung erworben hat.

touristinfo-hohnsteinUnser Dank gilt allen, die am Aufbau und der Gestaltung der Traditionsstätte mitgewirkt haben, besonders Herrn Dr. Eberhard Oberst aus Hohnstein. Die ausgestellten Dokumente und Bilder wurden größtenteils von Herrn Manfred Schober aus Sebnitz zur Verfügung gestellt.

Zu besichtigen ist die Traditionsstätte zu den Öffnungszeiten der Touristinformation oder nach Absprache. Touristinformation und Traditionsstätte in Hohnstein, Rathausstr. 9, Tel. 035975/86813 oder 19433

Hohnsteiner Puppenspielfest

Nun schon seit über 25 Jahren findet auf der Burg und in der Stadt Hohnstein das traditionelle Hohnsteiner Puppenspielfest statt. In diesem Jahr werden vom 01. – 03. Juni wieder zahlreiche Gäste erwartet. Mit 30 renomierten Puppenspielbühnen aus ganz Deutschland und insgesamt über 50 Aufführungen ist das Puppenspielfest mit Sicherheit ein sehenswertes Spektakel.

Max Jakob

max-Jaocb-hohnsteinMax Jacob, geboren am 10. August 1888 in Bad Ems, kam nach Handelsschule und Buchhalterausbildung über die Wandervogelbewegung zum Handpuppenspiel. 1920 ist die Wandervogelkanzlei in Hartenstein seine Wirkungsstätte. Dort spielt er 1921 für seine Geburtstagsgäste sein erstes Kasperstück.
Es entsteht eine Spieltruppe, die in Deutschland immer bekannter wird. 1928 ziehen Max Jacob und seine Mitarbeiter auf die größte Jugendburg Deutschlands nach Hohnstein.

Der „Burgvogt“ Hahnewald hat ihn dazu „verlockt“. Jährlich müssen 30 Aufführungen für die Burg stattfinden, alle weiteren Einnahmen gehören der Truppe. Hohnstein wird zum Mittelpunkt des laienmäßigen Puppenspiels in Deutschland. Es finden Wochenlehrgänge statt, die Puppenwerkstatt braucht Hilfskräfte, um alle Puppenbestellungen zu realisieren. Die vergrößerte Gemeinschaft der „Hohnsteiner“ wird zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor.

1933 zur Machtergreifung der Nazis besetzt die SA die Burg. Max Jacob uns seine Mitarbeiter müssen die Burg räumen. Die Stadt Hohnstein baut für sie ein Wohnhaus. 1936 werden die Hohnsteiner auf die Weltausstellung nach Paris zur Olympiade der besten europäischen Handpuppenspieler eingeladen. Sie spielen 1937 dort zum zweiten Mal und werden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

1940 wird ein Teil der Spieler eingezogen, der Rest zur Truppenbetreuung verpflichtet.

unima-hohnstein1945 spielen sie in Gefangenenlagern um Kiel und Hamburg. Hamburger Kreise fordern die Hohnsteiner auf, dort sesshaft zu werden.

1956 erhält Max Jacob das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

1957 wird er in Prag zum neuen Präsidenten der UNIMA (Union Internationale de la Marionette) gewählt. 1960 erfolgt seine Wiederwahl.

Als Max Jacob im Juli 1953 seine Reisetätigkeit als „Hohnsteiner Kasper“ beendete, hatte er in 12.000 Aufführungen drei bis vier Millionen Kinder und Erwachsene als Zuschauer.

Max Jacob starb am 08.12.1967. Die Urne wurde auf dem Hohnsteiner Friedhof beigesetzt.

rahmen-kasper-hohnsteinSeit vielen Jahren beschäftigt sich Herr Jens Welsch mit der Geschichte des Hohnsteiner Kaspers und der Geschichte der Hohnsteiner. Auf seiner Homepage finden Sie das umfangreichste Informationsportal zum Thema.